Das Großprojekt "Schulen ans Netz" hatte von Beginn an Probleme, das gravierendste: Die Deutsche Telekom feierte sich zwar als Hauptsponsor des Projektes, berechnete den Schulen jedoch die vollen Telefongebühren.
So ergab sich eine paradoxe Situation: Je erfolgreicher eine Schule die Einführung von Internetprojekten gestalten konnte, umso höher fiel die monatliche Gebührenrechung des "Sponsors" aus. Da ein Schulleiter i.d.R. nicht wußte, woher er die zusätzlichen DM 500.- für die Gebührenrechnung der Telekom nehmen sollte, wurde reihenweise die Notbremse gezogen: die meisten Projekte wurden gestoppt. Die Beschäftigung mit dem Internet an den Schulen entwickelte sich - wenn überhaupt noch möglich - zu einem Privileg weniger - meist Lehrer. Der Internetzugang für Schüler blieb bis auf Weiteres ein seltenes "Erlebnis", welches zudem von Zeitdruck durch den Gebührentakt geprägt war.
Durch das freiwillige Engagement Einzelner für die Sache sowie durch die Initiative ODS und der Zeitschrift c't zur Rettung der Projekte konnte die Situation an vielen Standorten verbessert werden. Einige Kommunen mit eigenen Leitungskapazitäten gestatteten ihren Schulen, den Datenverkehr über das stadteigene Telefonnetz abzuwickeln - ideal.
Im Projekt "Schulen ans Netz" selbst findet derzeit ein Umdenken statt. In seiner Pressemitteilung von März 1999 weist der Verein "Schulen ans Netz e.V." darauf hin, daß verstärkt auch Tarifguthaben in der Förderung enthalten sein sollen.
Doch die meisten Schulen sehen sich durch den Gebührentakt nach wie vor nicht in der Lage, ihren Schülerinnen und Schülern das Internet als selbstverständliche Informationsquelle in der Schule, zusätzlich zum Buch, anzubieten.
Es musste erst Februar 2000
werden, bis ein
vernünftigeres Angebot
.
der Telekom
verlautbart wurde. Es wird die Praxis zeigen, wie zügig und in welchem
Umfang die Maßnahmen greifen.
Eine wenig verbreitete
und auch für budgetschwache Organisationen interessante
Alternative zum Gebührentakt und zur noch teuereren ISDN-Standleitung
besteht in einer analogen 2-Draht-Standleitung.
Dieser Begriff beschreibt
nichts anderes als ein 2-adriges Telefonkabel, das vom einen Anschluß
durch die häufig noch in den Gebäuden der Post AG untergebrachten
Vermittlungsstellen bis zum anderen durchgeht. Diese Leitungen sind ebenfalls
Bestandteil des Telekom-Angebotes - es gehört allerdings etwas Glück
dazu, einen Mitarbeiter zu finden, der das Produkt und dessen Preis kennt.
An beiden Enden schließt man dann ein Standleitungsmodem mit
einer Geschwindigkeit von 33600 Bits pro Sekunde an und stellt auf diese
Weise eine ständige, direkte Verbindung zum Internet-Provider her.
Die Rechnung im Vergleich
zu ISDN geht auf: etwas mehr als die Hälfte der ISDN-Geschwindigkeit
(33,6 kbs) bei weniger als einem Viertel der Telekom-Kosten (DM 120.- mtl.).
Bis zu einer Leitungslänge
von ca. 5,5 km lassen sich mit Hilfe der neuen xDSL-Technologie (ADSL,
IDSL, HDSL usw.) Übertragungsraten mit dem 12- bis 120-fachen der
ISDN-Bandbreite über simple 2-adrige Kupferleitungen realisieren.
Solche Installationen werden bereits heute erfolgreich - auch über
Telekom-Leitungen - betrieben. Sie sind jedoch (noch) nicht legal.
Durch den Einbau aktiver Schaltelemente auf den Strecken zwischen den
Vermittlungsstellen der Telekom ist der Betrieb o.g. Standleitungen
mit den schnellen ADSL-Modems nicht möglich.
Stattdessen möchte die Telekom mit TDSL gerne eine eigenes
Produkt auf den Markt bringen.
Der Betrieb einer Standleitung
ist in der Schülerfirma auch pädagogisch sinnvoll:
Anm.:
Nach der Freigabe durch die Regulierungsbehörde gibt es in Berlin
über den lokalen Anbieter Berlikomm
möglich sein, ISDN-Verbindungen zwischen 2 Berliner Standorten zeittaktunabhängig
mit einer Transferrate von 128 kbps für DM 120.- pro Monat
ohne zusätzliche Gebühren zu betreiben (2 x DM 60.- Grundgebühr
für je einen S0-Anschluß). Nach anfänglichen technischen
und organisatorischen Verzögerungen werden ab Frühjahr 2000
solche Anschlüsse bereitgestellt.
Dieser
Wechsel zu höheren Transferraten ist nicht mit Investitionen in teuere
Hardware verbunden. Es werden lediglich 2 ISDN-Karten benötigt sowie
Linux-ISDN-Knowhow.
Damit können auch elegant
die Anlaufschwierigkeiten, die es derzeit mit der o.g. ADSL-Technik gibt,
umgangen werden.
2. Juni 1999
Letze Bearbeitung: 16. Februar
2000