Kapitelnächste
http://letras.de
3.1. Analoge Standleitung statt ISDN-Dial-Up

Das Großprojekt "Schulen ans Netz" hatte von Beginn an Probleme, das gravierendste: Die Deutsche Telekom feierte sich zwar als Hauptsponsor des Projektes, berechnete den Schulen jedoch die vollen Telefongebühren.

So ergab sich eine paradoxe Situation: Je erfolgreicher eine Schule die Einführung von Internetprojekten gestalten konnte, umso höher fiel die monatliche Gebührenrechung des "Sponsors" aus. Da ein Schulleiter i.d.R. nicht wußte, woher er die zusätzlichen DM 500.- für die Gebührenrechnung der Telekom nehmen sollte, wurde reihenweise die Notbremse gezogen: die meisten Projekte wurden gestoppt. Die Beschäftigung mit dem Internet an den Schulen entwickelte sich - wenn überhaupt noch möglich - zu einem Privileg weniger - meist Lehrer. Der Internetzugang für Schüler blieb bis auf Weiteres ein seltenes "Erlebnis", welches zudem von Zeitdruck durch den Gebührentakt geprägt war.

Durch das freiwillige Engagement Einzelner für die Sache sowie durch die Initiative ODS und der Zeitschrift c't zur Rettung der Projekte konnte die Situation an vielen Standorten verbessert werden. Einige Kommunen mit eigenen Leitungskapazitäten gestatteten ihren Schulen, den Datenverkehr über das stadteigene Telefonnetz abzuwickeln - ideal.

Im Projekt "Schulen ans Netz" selbst findet derzeit ein Umdenken statt. In seiner Pressemitteilung von März 1999 weist der Verein "Schulen ans Netz e.V." darauf hin, daß verstärkt auch Tarifguthaben in der Förderung enthalten sein sollen.

Doch die meisten Schulen sehen sich durch den Gebührentakt nach wie vor nicht in der Lage, ihren Schülerinnen und Schülern das Internet als selbstverständliche Informationsquelle in der Schule, zusätzlich zum Buch, anzubieten.

Es musste erst Februar 2000 werden, bis ein vernünftigeres Angebot . der Telekom verlautbart wurde. Es wird die Praxis zeigen, wie zügig und in welchem Umfang die Maßnahmen greifen.

Eine wenig verbreitete und auch für budgetschwache Organisationen interessante Alternative zum Gebührentakt und zur noch teuereren ISDN-Standleitung besteht in einer analogen 2-Draht-Standleitung. Dieser Begriff beschreibt nichts anderes als ein 2-adriges Telefonkabel, das vom einen Anschluß durch die häufig noch in den Gebäuden der Post AG untergebrachten Vermittlungsstellen bis zum anderen durchgeht. Diese Leitungen sind ebenfalls Bestandteil des Telekom-Angebotes - es gehört allerdings etwas Glück dazu, einen Mitarbeiter zu finden, der das Produkt und dessen Preis kennt. An beiden Enden schließt man dann ein Standleitungsmodem mit einer Geschwindigkeit von 33600 Bits pro Sekunde an und stellt auf diese Weise eine ständige, direkte Verbindung zum Internet-Provider her.

Die Rechnung im Vergleich zu ISDN geht auf: etwas mehr als die Hälfte der ISDN-Geschwindigkeit (33,6 kbs) bei weniger als einem Viertel der Telekom-Kosten (DM 120.- mtl.).

Bis zu einer Leitungslänge von ca. 5,5 km lassen sich mit Hilfe der neuen xDSL-Technologie (ADSL, IDSL, HDSL usw.) Übertragungsraten mit dem 12- bis 120-fachen der ISDN-Bandbreite über simple 2-adrige Kupferleitungen realisieren. Solche Installationen werden bereits heute erfolgreich - auch über Telekom-Leitungen - betrieben. Sie sind jedoch (noch) nicht legal. Durch den Einbau aktiver Schaltelemente auf den Strecken zwischen den Vermittlungsstellen der Telekom ist der Betrieb o.g. Standleitungen mit den schnellen ADSL-Modems nicht möglich. Stattdessen möchte die Telekom mit TDSL gerne eine eigenes Produkt auf den Markt bringen.

Der Betrieb einer Standleitung ist in der Schülerfirma auch pädagogisch sinnvoll:

Anm.: Nach der Freigabe durch die Regulierungsbehörde gibt es in Berlin über den lokalen Anbieter Berlikomm möglich sein, ISDN-Verbindungen zwischen 2 Berliner Standorten zeittaktunabhängig mit einer Transferrate von 128 kbps für DM 120.- pro Monat ohne zusätzliche Gebühren zu betreiben (2 x DM 60.- Grundgebühr für je einen S0-Anschluß). Nach anfänglichen technischen und organisatorischen Verzögerungen werden ab Frühjahr 2000 solche Anschlüsse bereitgestellt. Dieser Wechsel zu höheren Transferraten ist nicht mit Investitionen in teuere Hardware verbunden. Es werden lediglich 2 ISDN-Karten benötigt sowie Linux-ISDN-Knowhow.
Damit können auch elegant die Anlaufschwierigkeiten, die es derzeit mit der o.g. ADSL-Technik gibt, umgangen werden.

Kapitelnächste



2. Juni 1999
Letze Bearbeitung: 16. Februar 2000